Die grossen Gewinner waren US-Aktien sowie Schwellenländeraktien und -anleihen, die vom schwachen US-Dollar profitiert haben. Die "magnificent seven" sowie die meisten Titel aus dem Bereich Informationstechnologie und Communication Services wiesen die beste Performance aus Sektorsicht auf, während defensive Sektoren wie Gesundheitswerte oder nicht-zyklische Konsumgüter deutlich schwächer abschnitten als der Gesamtmarkt. Dies erklärt zum Teil auch die schwache Performance des Schweizer Aktienmarktes in diesem Monat.
Anziehende globale Industrie im Vorfeld der höheren Zolltarife
Die Unsicherheiten bezüglich der globalen Handelsordnung haben die US-Nachfrage nach globalen Gütern in den ersten Monaten dieses Jahres erhöht, da die Konsumenten im Vorfeld der höheren Zolltarife importierte Güter kauften. Deshalb überrascht es nicht, dass die globale Industrieproduktion im ersten Quartal deutlich angezogen hat (vgl. Grafik 1). Dennoch ist es wichtig zu erwähnen, dass die Binnennachfrage sowohl in Europa als auch in wichtigen asiatischen Ländern wie China in diesem Zeitraum etwas zugenommen hat. Daher muss man nicht unbedingt mit einer starken Korrektur der globalen Industrieproduktion nach der vollständigen Einführung der neuen US-Zölle rechnen.
Quelle: Pictet Asset Management, Refinitiv, 24.06.2025
Das Beispiel der globalen Industrieproduktion zeigt, wie wichtig für die globale Konjunktur eine Stärkung der Binnenkräfte in den Handelsüberschussländern ist. In Europa werden die staatlichen Infrastruktur- und Verteidigungsprogramme der Europäischen Kommission und der deutschen Regierung zu höheren Staatsausgaben und zu einer Erhöhung der Unternehmensinvestitionen in einigen Sektoren führen. Damit jedoch die Wirkung dieser Programme nachhaltig ist, muss der gesamte private Sektor, einschliesslich der Haushalte, seine Ausgaben steigern. Es scheint bereits jetzt, dass die Stimmungsindikatoren darauf hindeuten, dass der langanhaltende europäische Pessimismus nachlässt (vgl. Grafik 2).
Quelle: Pictet Asset Management, Refinitiv, 24.06.2025
Die europäischen Haushalte sparen bereits heute mehr als 15% ihres verfügbaren Einkommens, wobei die deutschen sogar über 20% sparen, während die Sparquote der US-amerikanischen Haushalte leicht unter 5% liegt. Sollten die Europäer ihre Sparquote reduzieren, würde dies zu einem deutlich stärkeren Wachstum der europäischen Konjunktur führen.
Die erste Hälfte des Jahres ist bereits Vergangenheit
Die ersten sechs Monate dieses Jahres sind vergangen, und trotz aller Ereignisse in diesem Zeitraum verzeichnen fast alle Anlageklassen in lokaler Währung höhere Preise als zum Ende des letzten Jahres. Die Performance des Euro Stoxx 50 betrug in diesem Zeitraum 8,3%, die des DAX 20,1% und die des S&P 500 5,5%. Aus Schweizer Frankensicht betrachtet sieht das Bild jedoch weniger rosig aus. Während der Euro nur leicht gegenüber dem Schweizer Franken an Wert verlor, betrug die Abwertung des US-Dollars mehr als 12%. Entsprechend negativ war die Performanceentwicklung der US-amerikanischen und von den USA dominierten globalen Aktienindizes in der heimischen Währung der Schweizer Investoren. Das gilt auch für die anderen in US-Dollar gemessenen Anlageklassenindizes. Die Schwäche des US-Dollars ist somit das dominierende Anlagethema des bisherigen Jahres. Es fällt zudem auf, dass im Verlauf des Jahres die Zinsdifferenz zwischen den US-amerikanischen und den globalen - ohne die USA - Zinsen gestiegen ist, während der US-Dollar an Wert verlor (vgl. Grafik 3). Dies deutet darauf hin, dass globale Investoren zunehmend das Vertrauen in die USA sowie deren Haushalts- und Handelspolitik verlieren und US-amerikanische Anlagen als weniger attraktiv erachten.
Quelle: Pictet Asset Management, Refinitiv, 27.05.2025
Es ist durchaus vernünftig anzunehmen, dass auch in der zweiten Hälfte des Jahres eine Fortsetzung, wenn auch in abgeschwächter Form, dieser Entwicklung zu erwarten ist. Dies unterstreicht die Wichtigkeit einer Diversifikationsstrategie hinsichtlich Währungen und Anlageklassen im Portfolio.
Schweizer Aktien als Favorit
In unserer Anlagestrategie sind wir in Schweizer Aktien übergewichtet, europäische Unternehmen, die von europäischen Infrastrukturprogrammen profitieren sollten, sowie Schwellenländeraktien. Im Gegensatz dazu bleiben wir bei US-amerikanischen Aktien untergewichtet. In Bezug auf Anleihen bevorzugen wir Unternehmensanleihen mit einem hohen Rating, wobei die Restlaufzeit unserer globalen Anleihen unter der des Benchmarks liegt. Zudem haben wir nach dem letzten SNB-Entscheid und der damit verbundenen Kommunikation erneut unsere Positionen in Schweizer Obligationen reduziert.