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Der stille Wandel des Renminbi

Anleihen 5 Min
Der chinesische Renminbi wird den US-Dollar vorerst nicht vom Thron stossen. Dennoch verändert die Währung still und leise das globale Finanzsystem.

Auf den ersten Blick scheint eine Chance vertan zu sein.

Obwohl überall auf der Welt die Zentralbanken ihre Dollarbestände abbauen – teilweise als Reaktion auf die Handelspolitik und den militärischen Interventionismus von Präsident Donald Trump –, scheint der chinesische Renminbi von der zunehmenden Unbeliebtheit des US-Dollars nicht sonderlich zu profitieren.

Auf die chinesische Währung entfallen lediglich 2% der offiziellen Devisenreserven, was in etwa dem Niveau von vor zehn Jahren entspricht. Das dürfte kaum das Ergebnis sein, auf das Peking gehofft hat, wo das Land doch öffentlich bekundet hat, man wolle den Status des US-Dollars als Reservewährung infrage stellen.

Eine eingehendere Analyse zeigt jedoch, dass China keinen Grund hat, allzu gekränkt zu sein.

In vielerlei Hinsicht macht der Renminbi stetige Fortschritte auf dem Weg zur Internationalisierung, und sein Vormarsch verändert still und leise den globalen Handel, die Finanzwelt und das Investitionsgeschehen.

Besonders deutlich macht sich die Präsenz des Renminbi im internationalen Handel bemerkbar. Offizielle Zahlen belegen, dass die Währung in die Spitzengruppe der weltweit meistgehandelten Währungen aufgestiegen ist. Einem Bericht der Bank for International Settlements zufolge belief sich der Anteil der in Renminbi abgewickelten Fremdwährungsgeschäfte Ende letzten Jahres auf 8,5% – ein Anstieg gegenüber 7% fünf Jahre zuvor.

Die chinesische Währung hat ihren Rückstand zum britischen Pfund, das auf Platz 4 der meistgehandelten Währungen liegt, aufgeholt und gleichzeitig ihren Vorsprung gegenüber dem Schweizer Franken, dem australischen Dollar und dem kanadischen Dollar ausgebaut.

Abrechnungswährung

Die gleichen Muster lassen sich auch in anderen Bereichen des internationalen Handelssystems beobachten.

Der Renminbi dient als Fakturierungs- und Abrechnungswährung für das stetig wachsendes Volumen an chinesischen Auslandsgeschäften, insbesondere mit Rohstoffexporteuren, Russland und anderen Schwellenländern.

Der Anteil der in dieser Währung abgewickelten Handelsgeschäfte hat sich seit 2019 auf 34% nahezu verdoppelt.

Diese Zahl dürfte mit dem Ausbau von Chinas eigener Zahlungsinfrastruktur, dem Cross-Border Interbank Payment System (CIPS), weiter steigen.

Das über CIPS abgewickelte Transaktionsvolumen – das als Alternative zu den westlich ausgerichteten Zahlungssystemen wie SWIFT entwickelt wurde – ist bereits rasant gestiegen. 

Nach Angaben der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur belief sich der Wert der über CIPS in Renminbi abgewickelten Transaktionen im April auf 920 Mrd. RMB pro Tag bzw. 135 Mrd. US-Dollar – im Jahr 2025 lag der Tagesdurchschnitt noch bei 680 Mrd. RMB.

Je mehr Banken sich dem CIPS anschliessen, desto einfacher wird es aufgrund von Netzwerkeffekten, den Außenhandel Chinas in Drittländern in dieser Währung abzuwickeln. 

Politischer Pragmatismus

Ein weiterer entscheidender Faktor für den Vormarsch des Renminbi ist die politische Flexibilität Pekings. Beispielsweise hat die Regierung einen Mechanismus entwickelt, mit dem die internationale Verwendung der Währung gesteigert werden kann, ohne dass sie die für das Land so wichtige Kapitalkontrolle aufgibt.

Die Trennung zwischen der Onshore- und der Offshore-Version der chinesischen Währung spielte bei dieser Strategie eine zentrale Rolle.

Zum einen ermöglicht es die Einrichtung eines Offshore-Renminbi-Marktes in Hongkong ausländischen Investoren und Unternehmen, Transaktionen in der chinesischen Währung einfacher abzuwickeln. Zum anderen wird der internationale Zugang zu Investitionen auf dem chinesischen Festland über regulierte Plattformen wie „Stock Connect“ und „Bond Connect“ streng kontrolliert.

Anlagewährung

Über den Handel hinaus gewinnt der Renminbi dank der niedrigen Zinssätze in China auch als Anlagewährung zunehmend an Bedeutung. Derzeit machen laut der Europäischen Zentralbank auf Renminbi lautende Anleihen lediglich 1% der international gehandelten Schuldtitel aus.

Doch durch die Senkung der Leitzinsen auf 1,4% – deutlich unter dem Niveau der meisten Industrieländer –, hat sich der Anleihemarkt im vergangenen Jahr zu einem Anziehungspunkt für ausländische Kreditnehmer entwickelt. Zu den staatlichen Emittenten, die in den letzten Monaten auf Renminbi lautende Anleihen verkauft haben, gehören Portugal und Indonesien, aber auch ausländische Unternehmen haben den Markt verstärkt angezapft.

Das Volumen der Panda-Anleihen, das heisst von ausländischen Emittenten begebene, aber auf dem Festland verkaufte Anleihen, – stieg im Jahr 2025 um fast 16% und im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 97%.

Reservestatus nicht in Sicht, doch der Einfluss wird sicherlich zunehmen

Trotz alledem gibt es erhebliche Hindernisse für die Entwicklung des Renminbi zu einer vollwertigen Alternative zum US-Dollar.

Der Wandel der Währung zu einer internationalen Transaktionswährung mag zwar zügig und relativ reibungslos verlaufen sein, doch in anderen Bereichen wird es sich länger hinziehen.

Chinas Kapitalkontrollen sowie das unvorhersehbare Rechts- und Regulierungsumfeld schränken ein, inwieweit private und staatliche Investoren die Währung als Wertanlage halten dürfen oder wollen. 

Darüber hinaus wird der US-Dollar durch einen einzigartig grossen und liquiden Kapitalmarkt gestützt, der dessen dominierende Rolle als Abrechnungswährung im internationalen Handel und bei der grenzüberschreitenden Finanzierung sicherstellt.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass der Renminbi eine zunehmend einflussreiche Rolle im internationalen Finanzwesen eingenommen hat. Er ist jetzt schon die tragende Säule eines parallelen Handels- und Abrechnungssystems und wird von Zentralbanken und institutionellen Investoren in Zeiten geopolitischer Turbulenzen verstärkt als defensive Absicherung genutzt.

Diese Entwicklungen dürften zumindest den Einfluss der USA auf den globalen Handel und die Handelsfinanzierung schwächen. Diese Trends könnten auch das internationale Ansehen der Währungen der Industrieländer wie dem japanischen Yen und dem britischen Pfund untergraben und für den Euro bei der Finanzierung des Welthandels eine ernsthafte Herausforderung darstellen.

Der Renminbi wird den US-Dollar sicherlich nie als Reservewährung ablösen oder auch nur infrage stellen können. Das wird in Peking jedoch nicht unbedingt als Misserfolg gewertet. Eine Welt, in der die chinesische Währung für Handelsgeschäfte, die Warenfakturierung und die Finanzierung von Schwellenländern immer wichtiger wird, wäre bereits ein Erfolg, wenn sich dadurch die Architektur des internationalen Währungssystems verändert.